Artikel im Freien Wort vom 30. Dezember 2010
VON GEORG VATER
Nicht nur in diesen eiskalten Tagen sind Wärme, Strom und Gas unverzichtbar. Das die Energie zuverlässig in Häusern und Betrieben ankommt, dafür sorgen die Männer im Leitstand der SWSZ.
SUHL – Die eisige Kälte dieser Tage - sie lässt die Gas-Turbinen des Heizkraftwerkes (HKW) der Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis (SWSZ) am Bohrhügel auf Hochtouren laufen. Die dicke weiße Dampffahne aus dem Schornstein ist weithin sichtbares Zeichen dafür, dass mehr heißes Wasser ins Fernwärmenetz gepumpt werden muss als bei Plusgraden. "Von Null bis minus 15 Grad steigt der Wärmeverbrauch mit jedem Grad. Wenn's temperaturmäßig noch tiefer runter geht, bleibt er in etwa gleich", weiß HKW-Chef Matthias Marschall. Rund 45 Megawatt thermische Leistung werden bei den derzeit frostigen Temperaturen benötigt, um den Wärmebedarf zu decken. Im Sommer sind es lediglich acht Megawatt, die fast ausschließlich zur Warmwasserbereitstellung benötigt werden.
Zwar wird ein Großteil der Wärmeüber die Abwärme der Müllverbrennungsanlage bezogen, doch wegen der dabei auftretenden Schwankungen und bei steigendem Bedarf müssen einer der beiden Heißwassererzeuger oder die Turbinen ran. Neben der thermischen Leistung von 8,5 Megawatt liefert solch ein gasbetriebenes Ungetüm auch 4,5 Megawatt elektrische Leistung. Dieser Strom wird ins Netz der SWSZ eingespeist. Kraft-Wärme-Kopplung heißt das. "Und mit einem Wirkungsgrad von über 80 Prozent arbeiten die Turbinen sehr effizient", sagt Marschall. Seit das Heizkraftwerk am 2. Dezember 1995 in Betrieb ging, verrichten die Turbinen zuverlässig ihren Dienst. Bei notwendigen Revisionen oder Ausfällen einer Turbine kann auch bei solch frostigen Temperaturen wie jetzt problemlos die Fernwärmeversorgung gesichert werden. "Mit drei bauartgleichen Turbinen haben wir entsprechende Redundanz", so der Kraftwerkschef.
Gesteuert wird die Fernwärmeversorgung von dem im Gebäude des Heizkraftwerks integrierten Leitstand der SWSZ. Dort sind zwei bis drei Männer rund um die Uhr im Dienst, um für warme Stuben in Suhl und Zella-Mehlis zu sorgen. Doch nicht nur das: Sie überwachen auch die Erdgas- und Stromversorgung, nehmen Anrufe bei Versorgungsausfällen entgegen, schalten bei planmäßigen Reparaturen oder unerwarteten Ausfällen auf andere Leitungen um oder überprüfen bei Kontrollfahrten die Arbeit von Umformerstationen und Umspannwerken. Per Computerdisplay und zum Teil auch noch analogen Anzeigen haben die Männer alle relevanten Daten aus dem Netzgebiet im Blick, sehen die aktuelle Netzlast und den Verbrauchsverlauf. Gegen Mittag ziehen die Suhler mit rund 36 Megawatt den meisten Strom aus dem Netz, am Abend zwischen 18 und 19 Uhr gibt es eine zweite Verbrauchsspitze.
Vieles kann mittlerweile zwar über Computer vom Bohrhügel aus gesteuert werden, doch manche Reparaturen lassen sich nur vor Ort erledigen. Dann muss einer der Mitarbeiter raus. Auch an Weihnachten und über den Jahreswechsel sorgt das Team für eine kontinuierliche Wärme-, Gas- und Stromversorgung. Zwar werden Gas und Strom aus den vorgelagerten Netzen der großen Versorger bezogen und quasi nur im eigenen Netz verteilt, aber die Verantwortung ist dennoch hoch. Das wird besonders deutlich, wenn die Versorgung unterbrochen ist. Dann ist es mit der scheinbaren Ruhe im Leitstand vorbei. "Da klingeln die Telefone der Servicenummer um die Wette", wissen Ulrich Gerngroß, Wilfried Elstermann und Alexander Mann, die über Weihnachten in diesem Jahr Nachtschicht schoben. Noch heute erinnern sie sich mit Schrecken an den Stromausfall während des Halbfinalspiels der Fußball-WM 1998. "Da war hier der Teufel los."
Weihnachten indes hatten sie trotz der Schneefälle vergleichsweise wenig zu tun, denn größere Ausfälle gab es in hiesiger Region nicht. "Das liegt auch an den Investitionen ins Netz", sieht es Geschäftsführer Reinhard Koch. So habe sich die Zahl der Freileitungen deutlich verringert. "Über 88 Prozent unseres Stromnetzes liegen schon in der Erde und sind damit weitaus störungsunempfindlicher", sagt Koch. 133 Millionen Euro habe das städtische Unternehmen seit 1991 in die technische Infrastruktur bei Wärme, Gas und Strom investiert. Das spiegele sich in der Ausfallquote bei der Stromversorgung wieder, die bundesweit bei durchschnittlich 16,4 Minuten pro Jahr liegt, im Netzgebiet der SWSZ jedoch lediglich bei 14,2 Minuten. "Mit Umschaltungen auf andere Leitungen können wir Versorgungsausfälle schnell beheben und die Dauer für die Verbraucher in erträglichen Grenzen halten", sagt die Leitstandbesatzung. Kommt allerdings aus dem vorgelagerten Netz schon kein "Saft" mehr an, dann sind auch die SWSZ-Leute machtlos. "Das war bisher allerdings noch nicht der Fall und es ist auch sehr unwahrscheinlich", sagt Reinhard Koch. Denn mit drei Einspeisestellen aus dem Netz der Eon in den Umspannwerken Zella-Mehlis, Heinrichs und Friedberg ist auch bei der Stromversorgung Redundanz gegeben.
Etwa 210 Millionen Kilowattstunden Strom werden im Netzgebiet der SWSZ pro Jahr verbraucht und 460 Millionen Kilowattstunden Erdgas, bei dem sich das Versorgungsgebiet bis nach Oberhof und Benshausen erstreckt. Etwa 200 Millionen Kilowattstunden davon verbrauchen Groß- und Industriekunden.
Dass es bei länger anhaltenden starken Minusgraden oder noch größerer Kälte zu Versorgungsengpässen bei Fernwärme, Gas oder Strom kommen könnte, ist höchst unwahrscheinlich. "Die Anlagen sind so ausgelegt, dass wir auch über mehrere Wochen mit Temperaturen um die minus 20 Grad kein Problem hätten", sagt Koch. Für die Energieversorger freilich sei ein solcher Winter wie dieser mit Blick auf die Umsätze nicht unbedingt der Schlechteste. Gleichwohl hätten Stadtwerke, wie auch die SWSZ, natürlich auch höhere Ausgaben. "Denn wir müssen auch mehr Gas und Strom einkaufen", relativiert Koch.
Auch über den Jahreswechsel wird im Leitstand der Stadtwerke die Energieversorgung von Suhl und Zella-Mehlis genauestens im Auge behalten. Schließlich soll bei den Silvesterpartys niemand frieren oder die Flasche Sekt zum Anstoßen im Dunkeln köpfen müssen.

