Downloadcenter
Störungshilfe
> Home > Unternehmen > Presse > Häuslebauer 

Artikel im Freien Wort vom 27. Januar 2007

 

 

Fernwärmeverbrauch sinkt drastisch / Verbrauch von Strom und Gas stabil
Häuslebauer setzen auf Gas

 

VON GEORG VATER

 

SUHL – Der anhaltende Bevölkerungsrückgang der Region macht sich auch in einem stetig rückläufigen Energieverbrauch bemerkbar. Die Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis (SWSZ) bekommen dies beim Fernwärmeabsatz zu spüren.

 

Mit dem fortschreitenden Abrissprogramm in den großen Wohngebieten geht auch der Fernwärmeverbrauch in den Keller. „Anfang der neunziger Jahre lag der jährlich bei rund 250 000 Megawattstunden, jetzt ist es noch weniger als die Hälfte“, sagt Reinhard Koch, technischer Geschäftsführer der SWSZ. „Obwohl das Netz noch in seiner gesamten ursprünglichen Ausdehnung liegt.“ Erhebliche Leitungsverluste sind vorprogrammiert. Und die Prognosen verheißen nichts Gutes. „ 2020 werden wir bei etwa 85 000 Megawattstunden angekommen sein. Damit ist die Fernwärmeversorgung nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben.“ Mit den sinkenden Verbrauchszahlen, in erster Linie aber durch die weltweit sprunghaft gestiegenen Preise für Öl und Erdgas, erhöhte sich der Preis für Fernwärme. Von 1995 bis 2006 stieg er um 31 Prozent. „Der Preis für leichtes Heizöl kletterte während dieses Zeitraums aber um ganze 268 Prozent“, so Koch.

 

Kostenfragen

 

Auf Einladung der CDU-Seniorenunion Suhl referierte er dieser Tage zur Frage „Was kostet uns Strom und Gas heute und morgen?“ Doch trotz öffentlicher Einladung und der allerorts intensiv diskutierten Problematik fanden sich dazu neben den Mitgliedern der Seniorenunion keine weiteren Interessenten ein, was nicht nur Koch verwunderte. Denn natürlich kam neben aktuellen Verbrauchszahlen und technischen Hintergrund-infos auch die im öffentlichen Focus stehende Preisentwicklung bei Erdgas zur Sprache, gegen die Mitglieder eines Suhler Bürgerbündnisses vor dem Landgericht Meiningen klagen.

 

Während der Gasverbrauch von Sonderkunden – zumeist größere Unternehmen und Institutionen – eine rückläufige Tendenz aufweist, stieg die Zahl der Haushalts- und Gewerbekunden trotz Einwohnerrückgangs in den vergangenen Jahren leicht an. „Pro Jahr kommen etwa 100 neue Gas-Hausanschlüsse dazu – und das trotz anhaltender Preisdiskussion und Entscheidungsfreiheit der Bauherren bei der Wahl ihres Heizmediums“, so Koch.

 

Investitionen

 

Insgesamt verkaufte die SWSZ im zurückliegenden Geschäftsjahr rund 753 000 Megawattstunden Gas, wovon 284 000 Megawattstunden im eigenen Heizkraftwerk am Bohrhügel zur Erzeugung von Strom und Fernwärme verfeuert wurden. Nach Jahren stetiger Steigerung ging der Gesamtgasverkauf erstmals zurück. Eine ganze Reihe von Investitionen am Gasnetz, das über Suhl hinaus bis nach Zella-Mehlis, Oberhof, Benshausen und in den Haselgrund reicht, wurden 2005/06 realisiert. Neue Leitungen kamen in der Zella-Mehliser Erhardtstraße und im Suhler Schießgrund unter die Erde, für den Ausbau des Knotens „Fröhlicher Mann“ musste eine Hochdruckleitung umverlegt werden und für das Gewerbegebiet Sehmar wurde eine neue Gasdruckregelanlage installiert. Nicht zu vergessen die aufwändigen Arbeiten bei einer der größten Gasleitungs-Störungen in der SWSZ-Geschichte Anfang Dezember 2006 (Freies Wort berichtete).

 

Mit rund 192 000 Megawattstunden – das sind immerhin 192 Millionen Kilowattstunden – hat sich die Verbrauchsbilanz bei Strom auf einem relativ stabilen Niveau eingepegelt. Interessant dabei ist die Tatsache, dass sich der spezifische Jahresverbrauch sowohl bei Haushalts- als auch bei Gewerbekunden stetig erhöht. Ein privater SWSZ-Stromkunde verbrauchte 2005/06 etwa 1984 Kilowattstunden, im Jahr 2004/05 waren es 1967 KW/h.

 

Rund 30 Prozent des von der SWSZ verkauften Stroms wird im umweltfreundlichen Kraftwerk am Bohrhügel erzeugt. „Je nach Preisentwicklung setzen wir dort Gas oder Öl ein“, so Koch. Der restliche Strom wird von e.on oder EEG-Vattenfall zugekauft.

 

Entsprechend den Regelungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beträgt der Anteil des Stroms aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft derzeit 12 Prozent. Dieser Anteil schlägt sich für die Verbraucher im Kilowattstundenpreis mit rund 72 Cent nieder. Gut 11 Prozent des als „Rennsteigstrom“ von der SWSZ zum Teil auch über die Grenzen des eigenen Netzgebietes hinaus vermarkteten Stroms werden aus Kernkraft erzeugt und der Löwenanteil mit über 76 Prozent stammt aus fossilen Energieträgern.

 

Wie wenig die Strompreise letztlich von der SWSZ selbst zu beeinflussen sind, stellte Reinhard Koch an einer Beispielrechnung dar. Danach zahlte eine Familie im eigenen Häuschen und durchschnittlichem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden 1998 rund 598 Euro. Im Jahr 2000, mit der Liberalisierung des Strommarktes und einer veränderten Einkaufspolitik, senkte die SWSZ die Strompreise um 20 Prozent. Nach Einführung der Stromsteuer und der EEG-Umlage kletterte der Preis 2006 auf 691 Euro. „Das sind zwar fast 100 Euro mehr als 1998. Würde man aber die zusätzlichen Steuern und Abgaben herausrechnen, wären es 30 Euro weniger“, machte Koch deutlich.

 

Außenstände eintreiben

 

Nach wie vor muss das Unternehmen Zahlungsaußenstände in einer Größenordnung um 800 000 Euro jährlich kompensieren. „Wir versuchen in jedem Fall alles, um an unser Geld zu kommen, vereinbaren notfalls Ratenzahlungen oder Stundungen. Das ist im Interesse aller pünktlich zahlenden Kunden“, so Koch. Gleichwohl nehme die Zahl der Privat- und Firmeninsolvenzen dramatisch zu, so dass bei Schuldnern oftmals keine Chance mehr bestehe, an Geld zu kommen.

 

Auch die mit Verweis auf Unbilligkeit der Preise von Kunden eigenmächtig gekürzten Vorauszahlungen für Gas – Koch sprach von einigen hundert eingegangenen Widersprüchen – würden nicht hingenommen. „Der Differenzbetrag läuft bei uns weiter auf. Wir werden ihn nach einem Gerichtsentscheid einschließlich Zinsen zurückfordern.“ Wie gestern kurz gemeldet, macht das Meininger Landgericht seine Entscheidung dazu von einem BGH-Grundsatzurteil am 14. März abhängig.

 

  Häuslebauer